Eulen nach Gotha tragen?

Mit der Akropolis in Athen teilt der Friedenstein nicht allein die augenfällige Lage auf einem Bergrücken über der Stadt. Als aufgeschlossener Hort des Wissens und der Kultur leuchtet er heller als so mancher Leuchtturm. Gotha als Thüringens Athen – der Vergleich hinkt nicht. Man braucht dafür gar nicht die Antikensammlung auf dem Friedenstein oder den lebhaften (platonischen?) Dialog zwischen den beiden markanten Schlosstürmen bemühen. Auch das geflügelte Wort bestätigt das Bild: „Eulen nach Athen tragen“ – Der griechische Komödiendichter Aristophanes (5. Jahrhundert vor Christus) spielte mit dem Satz in der Komödie „Die Vögel“ vielleicht auf die Eule als dem klugen Begleittier der Athene, der Schutzgöttin der Stadt Athen, an, wonach es unsinnig sei, in die Stadt der Philosophen noch zusätzlich Weisheit hineinzutragen. Da möchte man doch entgegnen: Eulen gibt es nie genug! In der 2010 eröffneten Dauerausstellung „Tiere im Turm“ gibt es einen bemerkenswerten Raum der die heimischen Nachtvögel inszeniert, vor kurzem aber sind die Eulen auch in den gegenüberliegenden Ostturm eingezogen.

Im Frühjahr 2011 wurde ein großer Nistkasten für Schleiereulen sowie zwei für Turmfalken angebracht. Die artgerechten „Wohnungen“ wurden vom Naturschutzbund (NABU), Kreisverband Gotha e. V. angefertigt (Joachim Allert) und von den Haustechnikern der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten hinter den Fensteröffnungen des Ostturmdaches montiert. Die Kästen sind mit Einstreu versehen, damit die Eier der Gelege nicht wegrollen.

Die Schleiereule (Tyto alba), ein sogenannter Kulturfolger, nistet vorwiegend in der Nähe der Menschen, in Kirchtürmen, Gehöften und auf Dachböden. Bereits in früheren Jahrzehnten brütete dieser Eulenvogel auch in der Kuppel des Ostturmes von Schloss Friedenstein. Nach den umfangreichen Rekonstruktionen der Dächer verschwand dieser heimliche Mitbewohner. Die Schleiereule steht auf der Roten Liste in Thüringen gefährdeter Tiere. In Sommernächten dringt ihr lang anhaltendes schnarchendes Gekreisch bis in die Schlafzimmer der Bürger und die herzoglichen Prunkgemächer. Der schwankende Flug in der Abenddämmerung sowie ihr helles Gesicht machen diesen nützlichen Vogel zu einer geisterhaften Erscheinung. Da Schleiereulen besonders nach Gehör jagen, haben sie einen hohen Anteil an Spitzmäusen im Beutespektrum, da die kleinen Insektenfresser dauernd untereinander wispern und ziepen.

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist bei seiner Nistplatzwahl recht vielseitig, brütet in alten Krähennestern auf Bäumen oder auf Kirchtürmen und anderen Gebäuden, in Mauernischen oder auf Stromgittermasten. Gern werden Nistkästen angenommen, um die 4 bis 7 Eier abzulegen. Die Brutdauer beträgt einen Monat, die Nestlingszeit 27 bis 39 Tage. Auf ihrem Speiseplan stehen Wühlmäuse an erster Stelle, die meistens beim Rüttelflug geortet werden. Daneben werden auch Käfer, Regenwürmer und kleine Vögeln erbeutet. Nicht zuletzt können Turmfalken und Schleiereulen nun auch die Ansiedlungen von verwilderten Haustauben auf Schloss Friedenstein, welche die Bausubstanz schädigen, eindämmen helfen.