Fische in den Bäumen statt Füße auf dem Boden

... der Realitätsverlust der Stadtverwaltung Waltershausen erreicht ungeahnte Höhenflüge. Da sollen tatsächlich 600.000 Euro für einen neuen Spielplatz investiert werden, während seit Jahren in der GutsMuths Grundschule weder eigene Horträume, noch ein Außengelände und schon gar kein Schulgarten bereitgestellt werden kann. In diesem Jahr sollen nur 450.000 Euro in die Schulsanierung fließen, 75 Prozent dessen, was der Spielplatz kostet.

Warum nimmt man nicht die Baukosten des Spielplatzes zur Schulsanierung dazu und stellt diese endlich fertig? Waltershausen ist Schulträger und kann seit Jahren die notwendigen Voraussetzungen für staatlich festgelegte Schulfächer nicht vorhalten. Hier denke ich nur an einen Schulgarten oder einen Sportplatz am Schulgelände der Grundschule in Ibenhain. Statt aber endlich die Sanierung zu beenden, investiert man lieber in einen Spielplatz, der dann auch noch mit Einzelanfertigungen der Spielgeräte ausgestattet wird. Was soll das? Warum baut man einen neuen Spielplatz, während die Schule immer noch unfertig ist? Hier scheinen einige Leute und der Bürgermeister voran die tatsächlichen Probleme der Stadt nicht mehr zu erkennen. Die vorhandenen Spielplätze sind teilweise in einem desolaten Zustand, z.B. Hinter der Mauer. Warum investiert man also Geld in einen neuen Spielplatz, wenn man die vorhandenen nicht unterhalten kann? Nächstes Jahr soll der neue Spielplatz noch einen Parkplatz erhalten, wahrscheinlich mit Parkbuchten für Bobbycars. Wer glaubt denn wirklich, dass Besucher aus anderen Orten nach Waltershausen pilgern, um auf den Spielplatz zu gehen? Kostenloses Parken zieht da als Argument auch nicht oder hat sich die Innenstadt signifikant belebt, seit dem keine Parkgebühren erhoben werden? Eine Toilette auf dem Spielplatz ist auch kein Argument, sondern wird künftig die Betriebskosten signifikant nach oben treiben. Der neu zu bauende Spielplatz ist für mich schon jetzt ein Bestandteil des neuen Schwarzbuchs für Steuerverschwendung.
Der Realitätsverlust scheint das Handeln des Bürgermeisters zu bestimmen. Die Grundschule in Ibenhain ist aus meiner Sicht der Hauptstadtflughafen von Waltershausen. Wer so lange an der Schule rumsaniert und nicht fertig wird, vernichtet Steuergelder. Jeder weiß, dass die Baupreise jährlich teurer werden. Aufträge, die heute vergeben werden, sind also teurer als vor fünf Jahren. Warum konzentriert man sich nicht darauf, die begonnenen Projekte fertig zu stellen?
Zu wünschen wäre, dass die Füße wieder auf die Erde kommen und der neu gewählte Stadtrat der Verwaltung die wahren Probleme aufzeigt und sich diesen zuwendet. Dazu zählen die Fertigstellung der Grundschule Ibenhain, die Innenstadtbelebung, ein Stadtmarketing und ein modernes Ausstellungskonzept für Schloss Tenneberg. Das alte Kino, welches in einer Eilaktion vor zwei Jahren ersteigert wurde, wartet ebenso wie das Klaustor auf ein Nutzungskonzept und die Sanierung. Das sind die Probleme Waltershausens, nicht jedoch ein Spielplatz für 600.000 Euro.

Mario Greiner