Ein kleiner Pieks, der Leben retten kann

Kinderkrankheiten vermehrt bei Erwachsenen – aktueller Impfschutz wichtig

Masern, Mumps, Röteln & Co.: man nennt sie Kinderkrankheiten, doch sie können auch Erwachsene und Senioren treffen – und für sie zur echten Gefahr werden. Wirksamen Schutz bieten Impfungen. Dennoch sinkt in Deutschland die Impfquote mit zunehmendem Lebensalter deutlich. Auch manche Eltern lassen ihre Kinder ungeimpft, weil sie vermeintliche Impfrisiken fürchten. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker klären auf, warum Impfungen nach wie vor der wirksamste Schutz gegen Infektionskrankheiten sind.

Einmal und nie wieder: weil hochansteckende Infektionskrankheiten wie Mumps, Röteln, Kinderlähmung oder Windpocken üblicherweise in der Kindheit durchlitten werden und eine lebenslange Immunität zurücklassen, nennt sie der Volksmund Kinderkrankheiten. Dank einer konsequenten Impfpolitik treten sie hierzulande jedoch kaum noch auf. Ihre Gefährlichkeit wird deshalb oft unterschätzt – und der lebenswichtige Impfschutz vernachlässigt: „Während ca. 95% der Schulanfänger gegen die wichtigsten Infektionskrankheiten geschützt sind, ist der Impfschutz bei vielen Erwachsenen nur noch lückenhaft oder gar nicht mehr gegeben“, weiß Apotheker Thomas Olejnik, Pressesprecher der Region Erfurt. Das kann schlimme Folgen haben, wie Olejnik warnt: „Kinderkrankheiten bergen für Erwachsene erhebliche Risiken. So kommt es etwa bei Masern leicht zu zusätzlichen bakteriellen Infektionen der Lunge oder des Gehirns. 50% aller erwachsenen Masernkranken müssen deshalb stationär behandelt werden, durchschnittlich einer von 3000 Erkrankten stirbt.“ Mumps im Erwachsenenalter kann bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen, Keuchhusten und Windpocken stellen eine erhebliche Gefahr für noch ungeimpfte Säuglinge dar. 

Impfungen sind also keineswegs ‚Kinderkram‘, sondern eine der wichtigsten und wirksamsten Schutzmaßnahmen des Gesundheitswesens überhaupt. „Sie schützen den Körper vor ansteckenden Krankheiten, indem sie das Immunsystem quasi auf die Abwehr der Erreger ‚trainieren’“, erklärt Olejnik. Dazu verabreicht man per Spritze oder Schluckimpfung abgeschwächte Erreger oder Teile davon. „Der Körper lernt die nun harmlosen Erreger kennen und kann ‚auf Vorrat’ Antikörper für den Ernstfall bilden.“ Diese so genannte Aktivimmunisierung ist bei gesunden Kindern und Erwachsenen die Regel. Am häufigsten gepiekst wird im Babyalter; viele Grundimmunisierungen sollten spätestens vor Eintritt in die Kita abgeschlossen sein. Wann dafür welche Impfung vorgenommen wird, darüber informiert der Impfkalender der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO). Um die Schutzwirkung zu erhalten, sind bei Erwachsenen regelmäßige Auffrischungen (meist alle zehn Jahre) nötig. 

Werden alle Impfungen im Impfpass dokumentiert, behält man den Überblick. Doch oft geht das Dokument verloren oder das Thema Impfung gerät im Alltag einfach allzu lange aus dem Blick. Zum Glück ist guter Rat hier gar nicht teuer: viele Apotheken bieten einen Impfpass-Check an; die STIKO hat zudem ein Schema erarbeitet, wie sich bei Erwachsenen mit wenigen Kombinationsimpfungen wieder ein Schutz gegen die wichtigsten Krankheiten aufbauen lässt. Je nach Alter und Lebenssituation können, so Olejnik, weitere Impfungen sinnvoll sein. „Wer Kontakt zu Babys oder Kleinkindern hat, sollte sich unbedingt (wieder) vor Keuchhusten schützen“, rät der Apotheker. Individuell und vor allem rechtzeitig beraten und impfen lassen sollte sich auch, wer eine Auslandsreise plant. Je nach Land empfiehlt die STIKO zusätzliche Impfungen – von Tollwut bis Gelbfieber. 

So wirksam Impfungen sind, so umstritten sind sie mitunter gerade unter Eltern kleiner Kinder: weil sie vermeintliche Impfrisiken fürchten, verzichten sie auf die Schutzmaßnahme. Doch bei den von der STIKO empfohlenen Impfungen braucht man vor Nebenwirkungen oder bleibenden Impfschäden keine Angst zu haben: sie gelten als sehr sicher. „Die Risiken der Impfstoffe werden völlig überschätzt und sind ungleich kleiner als die Risiken einer Erkrankung“, resümiert Olejnik. Möglich, wenn auch selten, sind Impfreaktionen wie Rötungen, Schmerzen, Müdigkeit oder erhöhte Temperatur. Üblicherweise harmlos und vorübergehend, sind sie ein Zeichen dafür, dass der Körper wie gewünscht auf die Impfung reagiert.