Wildunfälle im Herbst: Förster raten Autofahrer zur Vorsicht

Abgeerntete Felder lassen Wildtiere wandern und widrige Witterungsverhältnisse nehmen Autofahrern die Sicht. Zahl der Wildunfälle trotz vieler Maßnahmen leider auf hohem Niveau

Erfurt (hs): Gerade im Herbst suchen Wildtiere wie Rot-, Reh- oder Schwarzwild neue Einstände im Wald auf, weil die Felder abgeerntet sind und weder Futter noch Sichtschutz bieten. Regional überhöhte Wildbestände lassen die Wahrscheinlichkeit von Wildunfällen weiter steigen. Deshalb raten die Wildexperten der Thüringer Landesforstanstalt Autofahrern speziell in den Morgen- und Abendstunden zu größter Vorsicht beim Befahren von Straßen durch Waldgebiete und an Feldrändern. Wenn Wild zu sehen ist: kontrolliert abbremsen, hupen und abblenden. Achtung: Wo ein Wildtier die Straße überquert, folgen oft weitere nach!

Wildunfälle seit Jahren leider auf hohem Niveau

Zwar sind die aktuellen Wildunfallzahlen in Thüringen gegenüber dem Vorjahr um fast 1000 auf nunmehr 5456 Stück zurückgegangen. Allerdings führen die Forstexperten dies im Wesentlichen auf die natürlichen Schwankungen in der Wildbestandshöhe zurück, da im vorvorigen Jagdjahr insgesamt 5245 Tiere durch den Straßenverkehr zu Tode kamen – was keine wesentliche Verringerung bedeutet, aber auch keine weitere Steigerung.

Umsichtige Autofahrer und aktive Jäger senken das Wildunfallrisiko wirksam

„Umsichtige Autofahrer, die bei dem Verkehrswarnschild „Wildwechsel“ insbesondere in den Dämmerungsstunden das Tempo reduzieren und bremsbereit sind, können Wildunfälle wirksam reduzieren“ so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Aber auch die Jäger können durch eine intensive Bejagung der Flächen entlang gefährdeter Straßen das Wildunfallrisiko vermindern helfen.

Bitte nicht einfach weiterfahren!

Was aber tun, wenn es doch zu einem Wildunfall gekommen ist? Die Förster empfehlen: Ruhe bewahren und Polizei oder den Jagdausübungsberechtigten, i. d. R. der Jagdpächter, rufen. Ist das Tier tot, einfach warten bis die Polizei eintrifft. Ist das Tier verletzt und immobil, keinesfalls das Wild durch Streicheln oder Zureden zu beruhigen versuchen. Das Wildtier kann in Panik beißen, um sich treten oder mit dem Gehörn schlagen. Ziehen Sie sich einfach zurück und warten Sie in einigem Abstand. „Bitte fahren Sie nicht einfach weiter“, mahnt Gebhardt.

Der Jäger übernimmt die Fallwildentsorgung kostenfrei

Durch Unfälle getötetes Wild muss durch die Gemeinden oder die Straßenbauverwaltung entsorgt werden. In der Regel wird dies aber durch den zuständigen Jagdpächter kostenlos erledigt. Im Schnitt fallen hierbei rund 100 € für Transport, Lagerung und Gebühren für die Tierkörperbeseitigung an. Diese Kosten ersparen die Jäger dem Steuerzahler.


Foto: Andreas Knoll,: Rund 17 Kilogramm schwerer Rehbock: Bei einer Kollision mit Autotempo 50  entwickelt er satte 425 Kilo Aufprallgewicht.