Gut gerüstet in die Erkältungssaison

Grippale Infekte bei Kindern können Eltern gut selbst kurieren

Zehn bis fünfzehn Infekte pro Jahr sind bei Kindern normal. Plagen den Nachwuchs Fieber, Halsweh, Schnupfen und Husten, können Eltern mit den passenden Präparaten für Linderung sorgen. Doch nicht alles, was Erwachsenen gut tut, ist auch für Kinder verträglich. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker informieren, welche Arzneimittel sich für die Selbstmedikation im Kinderzimmer eignen – und wann man unbedingt den Kinderarzt aufsuchen sollte.


Die Erkältungssaison ist da – und weil das Immunsystem von Kindern noch nicht ausgereift ist, fangen sie sich scheinbar jeden kursierenden Virus ein. Meist handelt es sich um einen harmlosen grippalen Infekt: „Mit den Erregern muss der Körper selber fertig werden, die Symptome – Halsweh, Schnupfen, Husten und Fieber – lassen sich mit rezeptfreien Präparaten aus der Apotheke sehr gut lindern“, weiß Apotheker Thomas Olejnik, Pressesprecher der Region Erfurt. Eltern greifen dann gerne zu natürlichen und sanften Mitteln. Homöopathie und Pflanzenmedizin stehen hoch im Kurs. Speziell letztere leistet gerade bei Erkältungen sehr gute Dienste. „Doch nicht alles, was Erwachsenen gut tut, ist auch für Kinder geeignet“, erklärt Olejnik: „Deshalb sollten sich Eltern vor dem Griff in die Hausapotheke stets in der Apotheke beraten lassen. Dort kann man geeignete Mittel empfehlen, kennt sich mit der altersgemäßen Dosierung aus und weiß auch über Neben- und Wechselwirkungen Bescheid.“

Meist kündigt sich ein grippaler Infekt mit Halsweh an. Sind Kinder schon in der Lage, Pastillen zu lutschen, bieten sich Präparate mit reizstillenden Stoffen aus z. B. Malve, Eibisch oder Irisch Moos an, Salbei lindert die Entzündung. Schulkinder können zusätzlich mit Kochsalzlösung spülen, gurgeln oder – unter Aufsicht – inhalieren. Wichtig: Hals warmhalten und die Schleimhäute regelmäßig befeuchten, am besten durch regelmäßiges Trinken von Wasser und ungesüßten Tees. Auf Säfte besser verzichten, da sie die Beschwerden eher verstärken.

Schnupfen kann auch schon Babys beim Trinken zu schaffen machen. Hier helfen abschwellende Nasentropfen, die es für alle Altersstufen gibt. „Sie dürfen höchstens dreimal täglich und nicht länger als eine Woche angewendet werden“, weiß der Apotheker; eine Alternative sind salzhaltige Nasensprays. Olejniks Tipp für Babys: „Mit einem Nasensauger aus der Apotheke lässt sich Nasensekret gut entfernen.“ Bei älteren Kindern verhindern schleimlösende Kombipräparate u. a. mit Schlüsselblume, dass der Schnupfen chronisch wird.

Husten ist lästig, aber hilfreich: er dient der Selbstreinigung der Schleimhäute. Wer den Hustenreiz dennoch lindern möchte, kann zu Säften, Tropfen oder Lutschbonbons mit Spitzwegerich, Irisch Moos, Malve oder Eibisch greifen. Präparate mit Primel lösen den Schleim. Wahre Alleskönner sind Extrakte aus Efeu und Thymian: sie wirken schleimlösend, reizstillend und entkrampfend. Zusätzlich helfen Tees aus Fenchel und Anis. Es gibt auch Balsame zum Einreiben, z. B. mit Latschenkiefer oder Cineol. Sie dürfen jedoch nicht im Gesicht angewendet werden – und sind für Kleinkinder sowie Kinder mit Keuchhusten, Pseudokrupp oder Asthma grundsätzlich tabu.

Mit Fieber wehrt sich der Körper gegen die eingedrungenen Erreger. Senken sollte man es daher nur, wenn der Nachwuchs sehr schlapp und quengelig ist oder die Temperatur auf über 39 Grad steigt. Bewährt haben sich dafür Zäpfchen oder Saft mit den Wirkstoffen Ibuprofen (zugleich schmerzlindernd und entzündungshemmend) und Paracetamol. „Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht und man muss die vorgeschriebenen Zeitabstände beachten“, betont Olejnik: „Überdosiert kann Paracetamol nämlich die Leber schädigen. Die Temperatur sollte regelmäßig kontrolliert werden, mit einem digitalen Thermometer geht das einfach und schnell. Fiebert ein Säugling, hält das Fieber bei älteren Kindern länger als drei Tage an, steigt auf über 40 Grad und/oder will das Kind nichts trinken, ist ein Arztbesuch nötig.

Generell sollten Kinder bei Erkältungen viel trinken, am besten Wasser und ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees. Wer ätherische Öle anwenden will, sollte stets auf die Altersangabe achten: speziell Kampfer, Menthol und Minzöl sind für Babys und Kleinkinder tabu, da sie einen Atemstillstand auslösen können. Wer seinem Kind die Zeit und Ruhe gibt, den Infekt zuhause auszukurieren, senkt das Risiko einer bakteriellen Zweitinfektion, die z. B. zu einer Mittelohrentzündung führen kann. Schule oder Kita sollten daher frühestens nach zwei fieberfreien Tagen wieder auf dem Programm stehen.

Die beste Medizin ist und bleibt Vorbeugen. Häufiges Trinken und ausreichende Luftfeuchtigkeit (z. B. durch nasse Tücher auf der Heizung) helfen, die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Bereich warm und feucht zu halten und so weniger anfällig für Erreger zu machen. Viel Bewegung an der frischen Luft in geeigneter warmer Kleidung (vor allem die Füße sollten nie nass oder kalt werden) stärkt das Immunsystem – ebenso wie eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse, das aber vorm Verzehr immer gewaschen werden sollte. Nicht zuletzt häufiges und gründliches Händewaschen trägt entscheidend dazu bei, die Ansteckungsgefahr zu senken.