Startschuss für die Komplexsanierung gefallen

Bauarbeiten am Ernestinum starten – Abschluss in den 2020er Jahren

Den Startschuss markiert diesmal kein symbolischer Spatenstich, sondern die Präsentation des Bauschildes: Am Gymnasium Ernestinum in Gotha haben nun die Arbeiten zur Komplexsanierung offiziell begonnen. Wenn die Handwerker dereinst in den 2020er Jahren wieder abziehen, wird der Landkreis Gotha als Schulträger knapp 12,9 Mio. Euro in die Generalüberholung des traditionsreichen Schulstandortes investiert haben.

Rechnet man alle planerischen Leistungen und Vorarbeiten aus den vorangegangenen Jahren mit, werden es sogar rund 14 Mio. Euro sein.

„In der Vergangenheit ist viel diskutiert worden, nun folgen die Taten“, resümiert Landrat Konrad Gießmann angesichts der langen Vorgeschichte. Denn: Der Sanierungsbedarf der Schule war lange bekannt, die Einschränkungen, die mit den baulichen Mängeln einhergingen, ebenso. Nicht zuletzt mit Blick auf die erhebliche Investitionssumme zog sich die finale Entscheidung bis in den Herbst 2014 hin. Damals bekannte sich die Mehrheit des Kreistages dazu, den langen und kostenintensiven Weg zur Sanierung des Standortes mitzugehen – auch unter dem Eindruck auftretender statischer Mängel, die kurzfristig behoben werden mussten. Einen wesentlichen Meilenstein für die Entwicklung des Schulstandorts bildete die Entscheidung des Gothaer Stadtrates vom Herbst 2015, das Gebäudeensemble der Myconiusschule an den Landkreis zu übertragen. In der Myconiusschule werden, unweit des ehrwürdigen Hauptgebäudes aus dem Jahr 1837/38, bereits jetzt mehrere Klassen der Ernestiner unterrichtet.

Sanierung in drei großen Abschnitten geplant

Die Arbeiten zur Komplexsanierung sind in drei Bauabschnitte aufgeteilt und laufen bei normalem Schulbetrieb. Den Auftakt markiert zunächst das Aulagebäude: Hier wird das komplette Dach inklusive Dachstuhl erneuert, die Geschossdecken werden herausgenommen sowie moderne Fenster eingebaut. In diesem Gebäudeteil finden künftig zwei Musikräume nebst Vorbereitungsraum, ein großer Mehrzweckraum, der auch als Speisesaal dient, sowie Technikräume im Dachgeschoss ihren Platz. Dieser erste Bauabschnitt soll sich bis Herbst 2017 erstrecken und umfasst ein Finanzvolumen von rund 1,6 Mio. Euro.

Noch im Herbst 2017 beginnt der zweite Bauabschnitt, der sich auf den zu DDR-Zeiten entstandenen Anbau sowie den Westflügel des Gebäudes bezieht. Diese Arbeiten werden, aufgrund des Raumumfangs und des Bauzustands, deutlich länger andauern und mehr Mittel beanspruchen: Bis 2019 sollen hier knapp 5,7 Mio. Euro investiert werden. Im Anbau entstehen auf drei Etagen je zwei Biologie-, Physik- und Kunsträume zuzüglich der Nebenräume. Im Keller sind die Sanitärbereiche, Haustechnikräume und das Hausmeisterrefugium untergebracht. Da der Anbau aus DDR-Zeit direkt an den Aulaflügel grenzt, erhalten beide hofseitig einen gemeinsamen Zugangsbereich, in den auch einer von zwei Personenaufzügen integriert wird, um das Ernestinum zur barrierefreien Schule zu machen.
Der Westflügel, der Aulagebäude und DDR-Anbau mit dem historischen Schulhaus an der Bergallee verbindet, erhält im Erdgeschoss zwei Chemie- nebst Vorbereitungsräume. Im ersten Stock sind zwei klassische Unterrichtsräume sowie zwei Computerkabinette vorgesehen. Der Kellerbereich, der heute als Schulspeisung genutzt werden muss, beherbergt künftig die Bibliothek und die Mediensammlung der Schule.

Nach 2019 kommt dann das straßenseitig gelegene historische Schulhaus in die Kur. Dafür werden rund 4,6 Mio. Euro veranschlagt. Sie werden benötigt, um im Erdgeschoss den Hörsaal sowie vier Unterrichtsräume und Nebenräume für ärztliche Betreuung, Beratungslehrer und Sanitärbereiche herzurichten. Eine Treppe höher werden abermals vier Klassenräume, Toiletten sowie das Lehrerzimmer und die Schulleitung untergebracht. Die dritte Etage soll fünf Klassenräume sowie jeweils drei Differenzierungs- und Nebenräume aufweisen.

Weitere Aufwendungen betreffen die Myconiusschule

Eine weitere Million Euro wird geschätzt noch für die Anpassung der Myconiusschule vonnöten sein. Hier müssen unter anderem ein Aufzug, um die Barrierefreiheit gewährleisten zu können, sowie mehrere Fachkabinette eingerichtet und Anpassungen im Brandschutz vorgenommen werden. Schließlich wird die Myconiusschule perspektivisch nicht nur von den Ernestinern genutzt, sondern auch neuer Sitz und Veranstaltungsort für die Kurse der Kreisvolkshochschule sein.

Die Bauzeit wie die Kosten verlangen einen langen Atem des Schulträgers. Aber: „Der Landkreis Gotha hat bereits bei den Komplexsanierungen der Salzmannschule Schnepfenthal und der Herzog-Ernst-Schule in Gotha die Qualitäten eines Marathonläufers gezeigt. Damit werden wir auch dem Ernestinum wieder zu altem Glanz verhelfen – und das trotz heraufziehender Gebietsreform“, ist sich Landrat Konrad Gießmann sicher.