Ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen die Arbeit des Stadtarchivs Gotha

Wenn Frau Blättermann Herrn Hoppensack heiratet, was ist mit Albrecht Spitznasens Eheweib und wie kommt die deutsche Kurrentschrift ins Excel?

Ob aktiv sein nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben und sich mit seinem Wissen einbringen oder sich nach der Schule ausprobieren, selbstständig ein Projekt bearbeiten, einen Berufswunsch entwickeln - das Gothaer Stadtarchiv bietet ein vielfältiges und interessantes Aufgabenspektrum im Ehrenamt und Bundesfreiwilligendienst.

Bereits seit 2007 gibt es im Stadtarchiv einen „ehrenamtlichen Fanclub“. Mit Elsbeth Schossig, Rosemarie Grosse und Eckehart Döbler arbeiten drei engagierte ehrenamtliche Helfer an insgesamt drei Tagen pro Woche im Archiv. Dabei liegt das Hauptaugenmerk der ehrenamtlichen Tätigkeiten derzeit auf der elektronischen Speicherung von Daten aus Beständen. Das Lesen teils schwer zu entziffernder Texte in deutscher Kurrentschrift und die Arbeit im Excel gehen den drei Senioren locker von der Hand.



Häufig nachgefragt werden die seit Änderung des Personenstandsgesetztes mit Wirkung vom 01.01.2009 im Stadtarchiv archivierten Personenstandsregister aus dem Standesamtsbezirk Gotha. Die Fragestellungen der Erbenermittler und Familienforscher reichen von sehr präzisen Angaben bis hin zu vagen Vermutungen über die verblichenen Ahnen. So sind bereits durch ehrenamtlich erbrachte Arbeiten tausende Namen zu Geburten, Eheschließungen und Sterbefällen in Exceltabellen benutzerfreundlich erfasst worden und erleichtern die Suche mit erheblich verkürztem Zeitaufwand.

Neben der amtlichen Überlieferung eines Kommunalarchivs wird auch eine möglichst umfassende nichtamtliche Überlieferungsbildung zur Dokumentation des städtischen Lebens angestrebt, weshalb auch ausgewählte Nachlässe, Fotos, Vereins- und Wirtschaftsschriftgut, Karten, Pläne, Zeitungen usw. hier zu finden sind. Diese zu bewerten, zu erschließen und für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen, gehört zu den grundlegenden Aufgaben archivischer Arbeit.

Speziell Nachlässe können in vielfältigen Beziehungen zu den unterschiedlichsten Lebensbereichen stehen und ermöglichen deshalb zahlreiche Forschungsansätze. Die Korrespondenzen bieten neben den Informationen über den Nachlasser selbst häufig ein Spiegelbild bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse, was sich für den Interessierten nicht ad hoc erschließt. Auch dabei erhält das Stadtarchiv Gotha versierte ehrenamtliche Unterstützung, indem beispielsweise die Korrespondenz aus einem Verlegernachlass inhaltlich präzise erfasst und somit u.a. über Stichwortsuche zugänglich gemacht wird.

Einer dringend gründlichen Überarbeitung bedarf die historische Gothana-Bibliothek des Stadtarchivs, die als reine Präsenzbibliothek der Bestandsergänzung dient. Dazu gehört sowohl die technische Bearbeitung, als auch die komplexe Überarbeitung und Ergänzung der Katalogdaten in der speziellen Archivsoftware. Nach Erarbeitung einer Systematik sollte einer Onlinestellung der Titel eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Dieser anspruchsvollen Aufgabe widmet sich derzeit im Bundesfreiwilligendienst Friedericke Lorenz interessiert und sachkundig.

Überdies wird das Team des Stadtarchivs derzeit von der in Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste befindlichen Praktikantin Vanessa Günther unterstützt. Unter anderem möchte sie sich im Lesen der deutschen Kurrentschrift üben. Die Arbeiten sind interessant, machen Spaß und sind für beide Seiten ein Gewinn, wovon schlussendlich der Archivbenutzer profitiert.