Abschied von den Elefanten

Mit dem Besucheransturm zur erfolgreichen Museumsnacht ging am vergangenen Wochenende die Jahresausstellung der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zu Ende. "Elefantastisch! " Gotha ganz groß" begeisterte seit Mitte Mai nicht nur Touristen, sondern vor allem auch Familien, welche die für Groß und Klein aufbereitete Ausstellung zu schätzen wussten. Erstmals gab es auf Schloss Friedenstein einen eigenen Kinderrundgang, dazu ein Elefantenquiz und wie immer viele, viele familienfreundliche Veranstaltungen im umfangreichen Rahmenprogramm.
 
Die Sonderausstellung hatte ihren Mittelpunkt in der Ausstellungshalle, erstreckte sich jedoch auch über die übrigen Schlossräume, wo an mehreren Orten auf die Elefanten in den vielfältigen Sammlungen aus Kunst, Natur und Geschichte verwiesen wurde. Seit der Eröffnung am 15. Mai wurden insgesamt 96.474 Besucher gezählt. Damit wurden die eindrucksvollen Zahlen der Ausstellung "Anatomie " Gotha geht unter die Haut" aus dem Jahre 2010 noch um 5.000 Besucher deutlich übertroffen.
 
Mit der Ausstellung "Elefantastisch!" hat Gotha den Beweis geliefert, dass es eine Elefantenstadt ist. Den historischen Auftakt zu diesem Prädikat bildete die Verleihung des Königlich-Dänischen-Elefantenordens an Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg im Jahre 1678, der später auch noch an zwei weitere Gothaer Herzöge verliehen wurde. Mit dem Elefantenorden breitete sich eine regelrechte Elefantomanie am Gothaer Hof aus. Es wurde nicht nur ein Elefant in das herzogliche Wappen aufgenommen, vor allem kaufte man in den folgenden Jahrhunderten für die Herzogliche Kunstkammer immer wieder Kostbarkeiten in Elefantenform: aus Gold, Silber, Bernstein oder Elfenbein, dazu Elefanten auf Kupferstichen oder chinesische Friedenselefanten. Aber die Elefantomanie hat in Gotha auch eine naturwissenschaftliche Seite: Bereits 1695 (ein Jahr nach der Verleihung des Elefantenordens an Friedrich II.) focht der Gothaer Forscher Tentzel mit Unterstützung des berühmten Leibniz einen Gelehrtenstreit über Knochenfunde im Norden Gothas (Burgtonna) aus. Er erkannte in dem Skelett Überreste eines ?vorsintflutlichen Elephanten?, der einstmals auch in Thüringen beheimatet war. Nach dem Gothaer Fund wurde vermutlich das Weimarer ?Hotel Elephant? benannt. Mitte des 19. Jahrhunderts kam dann unweit von Gotha ein Menagerieelefant zu Tode, weil er sich an Rüben überfraß. Die Haut dieser Elefantenkuh ?Miss Baba? wurde im Herzoglichen Museum in Gotha präpariert, das Skelett kam nach Jena. Haut und Knochen des legendären Tieres waren in der Gothaer Sonderausstellung gemeinsam zu bewundern.
 
Die Ausstellung zeigte, ausgehend von den reichen Gothaer Beständen, den Elefanten in Natur, Kunst und Geschichte. Neben den Knochenfunden aus Burgtonna und dem (als Menagerieelefanten ausstaffierten) Präparat von "Miss Baba" und weiteren naturkundlichen Objekten waren zahlreiche elefantastische Kunstwerke (Graphik, wie Kunsthandwerk) aus eigenen Beständen zu sehen. Leihgaben kamen aus Berlin, Braunschweig, Coburg, Eisenach, Gera, Halle, Hannover, Heidelberg, Jena, München, Nürnberg, Rudolstadt, Suhl, Wernigerode, Wiesbaden und Schloss Rosenborg in Kopenhagen, das u. a. die Kollane und die Ordenskleinodien zum Königlich-Dänischen Elefantenorden zur Verfügung gestellt hatte. Zur Eröffnung im Mai war eigens der Dänische Botschafter aus Berlin angereist. Diese Exponate wurden ergänzt durch zahlreiche private Lieblingselefanten, die die Gothaer Bürger zur Verfügung stellten. Diese manchem ans Herz gewachsenen Elefanten aus Plüsch, Holz, Glas oder Plastik wurden in einem Zirkuszelt präsentiert, in dem auch eine originale Elefanten-Zeichnung des während der Ausstellung verstorbenen Loriot und die eigens für Schloss Friedenstein angefertigte Zeichnung eines "Ottifanten" des Komikers Otto zu sehen waren. Zu einem besonderen Blickfang für Kinder entwickelte sich in diesem Teil der Ausstellung ein Zusammenschnitt von Sendungen der Reihe "Elefantastisch!" des WDR, in dem der kleine blaue Elefant, der Freund der "Maus", eine Hauptrolle spielte. Er war zugleich der Schirmherr der Ausstellung. Eine weitere Kooperation bestand mit dem Thüringer Zoopark Erfurt, der für die Ausstellung einen lebenden Rüsselspringer (laienhaft beschrieben: eine Maus mit Rüssel) in einem Terrarium zur Verfügung stellte. Dessen Kapriolen und sogar ein "Ausbruchversuch" unterhielten die Besucher.
 
Das Rahmenprogramm zur Ausstellung bot wie gewohnt ein buntes Kaleidoskop an Vorträgen, museumspädagogischen Veranstaltungen und Führungen. Wie erstmals 2010 nahm auch in diesem Jahr das sommerliche Ekhof-Festival das Thema der Jahresausstellung in einigen Veranstaltungen auf. Es gab einen "Elefantentag", an dem nicht nur der blaue Elefant (ein schwitzender Student in blauer Plüschhülle) in Gotha präsent war, sondern die Museumspädagogik mit vielen kindgerechten Angeboten die kleinen Besucher erfreute. Für ein gehobenes kulinarisches Beiprogramm sorgte eine Kooperation mit dem Hotel am Schlosspark Gotha. An sechs Terminen zwischen Mai und Oktober boten Hotel und Schloss einen elefantastischen Abend unter dem Titel ?Exotische Genüsse? an, der nach einer besonderen Führung durch die Ausstellung und einem Aperitif im Schlosshof ein besonderes Menü mit Speisen aus der Heimat des Afrikanischen Elefanten bot.
 
Vor dem Eingang zur Ausstellung warben den ganzen Sommer hindurch ein großer und ein kleiner Plastikelefant für die Ausstellung. Sie wurden zu den besonderen Lieblingen aller Schlossbesucher und zu einem überaus beliebten Fotomotiv, das es sogar mit den Schlosstürmen aufnehmen konnte.
 
Mit dieser Ausstellung hat die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, nach "Anatomie" 2010, ein weiteres Mal erfolgreich die große Palette der Friedensteinischen Sammlungen mit einem Natur, Kunst und Geschichte vereinenden Thema verbunden. Kunstkenner kamen hier ebenso auf ihre Kosten wie Freunde der Natur. Der Spagat zwischen wissenschaftlicher Aufarbeitung eines spannenden Teils der Geschichte von Schloss und Sammlungen und seiner familiengerechten Präsentation wurde von den Besuchern einhellig als geglückt empfunden. Darauf verweisen zahlreiche positive Einträge im Besucherbuch.
 
Der reich illustrierte Begleitband zur Ausstellung im Deutschen Kunstverlag München/Berlin mit Beiträgen zum Elefanten in Mythos, Kunst, Natur, Geschichte und Wissenschaft von Ute Däberitz, Martin Eberle, Roland Krischke, Thomas Martens, Peter Mildner, Rainer Samietz, Uta Wallenstein und Wolfgang Zimmermann wird die bemerkenswerte Ausstellung für alle Elefantenfreunde präsent halten. Der Band ist im Buchhandel weiterhin für 24,90 €? erhältlich.
 
Nach kurzer Ab- und Umbauphase in der Ausstellungshalle steht schon bald das nächste Ausstellungsereignis auf dem Friedenstein an. Unter der Regie des Museums für Regionalgeschichte und Volkskunde Gotha entsteht dann die archäologische Präsentation "Kelten und Germanen", die am 12. November eröffnet wird und bis zum Februar zu sehen sein wird. Im kommenden Sommer werden dann die Besucher mit großen Ausstellungen in beiden Schlossflügeln verwöhnt: Die Forschungsbibliothek Gotha wird unter dem Titel "Mit Lust und Liebe singen"  Die Reformation und ihre Lieder einen gewichtigen Beitrag zur Lutherdekade leisten. Die Ausstellungshalle präsentiert gleichzeitig märchenhafte Exponate aus den verschiedenen Friedenstein-Sammlungen unter dem Titel "Märchenschloss Friedenstein2.